Wesentliche Bestandteile

Ein Vollwappen besteht aus dem Wappenschild, dem auf dem oberen Schildrand sitzenden Helm, der vom Helm herabhängenden Helmdecke und der auf dem Helm sitzenden Helmzier. Das sind die wesentlichen Bestandteile eines Wappens. Auf dem Helm sitzt oft ein Wulst oder eine Helmkrone, um Helmzier von der Helmdecke

zu trennen.

Auch der Schild alleine kann als Wappen angesehen werden. Bei kommunalen Wappen (Gemeinden, Länder) gibt es meist keinen Helm mit Helmzier, etc.

Der Wappenführende kann je nach Anwendungsfall oder dauerhaft darauf verzichten, Helm, Helmdecke und Helmzier zu zeigen und ausschließlich den Schild führen.

 

Unwesentliche Bestandteile

Es gibt Wappen mit (Rang-)Kronen auf dem oberen Schildrand und Schildhaltern (meist zu beiden Seiten des Schildes) mit Fahnen, Wappenmännteln und Spruchbändern, etc. All diese Bestandteile gelten als unwesentliche Bestandteile eines Wappens und können ohne weiteres entfallen. Kronen auf dem Schild, Schildhalter, Wappenmäntel und Fahnen werden wenn überhaupt nur von adligen Familien oder Körperschaften (z. B. Bundesländer) geführt. Bürgerliche Personen und Familien sollten davon Abstand nehmen. Das Spruchband (meist unterhalb des Schildes) kann auch von Bürgerlichen geführt werden und hat inzwischen stark an Beliebtheit gewonnen.

 

Die Farben

In der deutschen Heraldik gibt es nur folgende Farben (auch Tinkturen genannt):

- Metalle: gelb (=gold) und weiß (=silber).

- Farben: rot, blau, schwarz, grün und selten purpur

Es gibt kein braun, kein grau, keine helle oder dunkle Ausführung der gleichen Farbe und kein orange.

 

Die wichtigste Farbregel besagt, dass eine Farbe (rot, blau, schwarz, grün) immer an ein Metall grenzen muss (gold, silber) und niemals an eine weitere Farbe - und umgekehrt darf ein Metall nie an ein Metall stoßen, sondern nur an eine Farbe.

So weit so einfach.

Doch Sie werden feststellen, dass viele Wappen - vielleicht sogar die Mehrheit - gegen diese Regel verstoßen. Es handelt sich um eine Regel, die bei nebensächlichen Details (z. B. den Krallen des Löwen) nicht gilt. Bei mehrfarbigen Teilungen des Schildes ist ein Verstoß gegen die Farbregel sogar unvermeidbar.

Es ist von Fall zu Fall abzuschätzen, was noch hinnehmbar ist und was nicht.

 

Der heraldische Stil
Wie sind nun Menschen, Tiere, Pflanzen und Gegenstände im Wappen darzustellen? Es gibt den heraldischen Stil, der sich durch Vereinfachung, Übertreibung von Besonderheiten und Kraft auszeichnet. Die Figur soll die 

Fläche in der sie steht möglichst gut ausfüllen.

 

Ein Drache auf einem Wappenschild soll nicht so aussehen, wie ein Drache tatsächlich aussehen könnte, sondern so, dass man ihn sofort als Drache erkennt (Übertreibung von Besonderheiten). Man soll ihn schon von weitem erkennen (Vereinfachung, flächenfüllend). Er soll respekteinflößend aussehen (Kraft).

 

Eine Linde muss sofort als Linde erkennbar sein. Die einzelnen Blätter werden übergroß dargestellt und die Zweige werden ornamental verbogen, so dass die  Baumkrone den Schild schön ausfüllt.

 

Auch wenn Wesen und Dinge in Wirklichkeit unterschiedlich groß sind, werden sie in Wappen häufig gleich groß dargestellt (z.B. eine Maus und ein Mensch).

 

Sehen Sie  sich viele Wappen an und bekommen Sie ein Gespür dafür, wie Dinge und Lebewesen dargestellt werden. Für Wappen gilt: Es muss nicht realistisch ausssehen, es muss gut aussehen!

 

Gesamtdarstellung

Es haben sich im Laufe der Jahrhunderte folgende Regeln für die Gesamtdarstellung verfestigt:

Die Stellung von Helm und Schild richtet sich nach der Helmzier. Kommt die Helmzier in der Profildarstellung besser zur Wirkung, wird der ganze Helm ins Profil gedreht und der Schild meist gekippt. Sieht die Helmzier in der Frontalansicht besser aus, bleibt auch der Helm in der Frontalansicht und der Schild steht aufrecht. Es ist insbesondere bei Helmzierden mit  Menschen auch eine Art "Halbprofil" denkbar.

 

Bei der Profildarstellung sieht der Helm in der Regel nach links (vom Betrachter aus gesehen).

 

Die Helmzier sitzt fest verankert auf dem Helm. Sie müssen sich vorstellen, die Zier wurde für ein Turnier auf den Helm geschraubt oder genietet. Das musste eine Weile halten. Schwebende Vögel oder Sterne sind nicht möglich. Für die Helmzier gelden die Farbregeln ebenso wie für den Schild.

 

Die Helmdecke liegt wie ein Kopftuch auf dem Helm und flattert seitlich und hinten an ihm herunter. Sie kann beinahe beliebig eingeschnitten und zerteilt sein, solange sie als Helmdecke erkennbar bleibt. Normalerweise zeigt die Helmdecke außen Farbe und innen Metall, meist die Hauptfarben aus dem Schild.

 

Das Oberwappen (Helm, Helmdecke und Helmzier) kann man sich als plastisches Gebilde vorstellen. Der Wappenkünstler kann hier Licht und Schatten sowie Schraffuren zeigen und plastische Effekte darstellen, ganz wie es ihm beliebt. Der Schild ist jedoch eine glatte Fläche. Hier sollte man mit Schatten und Lichtreflexen zurückhaltender sein.

 

Egal wie ein Wappen dargestellt ist, mit ausladenden Helmdecken oder mit sparsamen, mit frontal gezeigtem Helm oder mit Helm im Profil, in schlichtem frühgotischem Stil oder im prunkvollen Stil der Renaissance, sogar mit oder ohne Oberwappen - es ist immer das selbe Wappen - eben nur unterschiedlich dargestellt.

Es gibt nicht die einzige, korrekte Darstellung eines Wappens. Es gibt ein Wappen und beliebig viele Darstellungsmöglichkeiten davon.

 

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